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WARUM ARMUT UNS ALLE ETWAS ANGEHT

22. Aug.
3 Min. Lesezeit

Seit 125 Jahren setzt sich Caritas Schweiz gegen Armut ein. Ein Jubiläum also, das Anlass zum Zurückblicken gibt. Wir wollten den Blick aber vor allem nach vorne und ins Heute richten. Armut sichtbar und verständlich machen, Begegnungen schaffen und die Frage stellen, was Armut eigentlich mit uns allen zu tun hat.


Illustration erstellt mit künstlicher Intelligenz (ChatGPT)


Genau daraus entstand in den vergangenen Monaten ein Jubiläumsprojekt mit der interaktiven Ausstellung «Ungleich verteilt – was Armut mit uns zu tun hat» als Herzstück. Ergänzt wird sie durch Veranstaltungen, Workshops und weitere Begegnungsformaten. Vom 9. bis 30. September ist das Projekt in Luzern erlebbar.


Armut ist mehr als zu wenig Geld

Die Ausstellung zeigt Armut anhand von fünf Lebensbereichen: Wohnen, Arbeit, Gesundheit, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Denn Armut bedeutet mehr als zu wenig Geld. Sie beeinflusst Möglichkeiten und Chancen und ist eng mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verbunden.


Rund 740'000 Menschen sind in der Schweiz von Armut betroffen. Die Ausstellung macht Zusammenhänge mit Fakten, persönlichen Geschichten und Lösungsansätzen sichtbar, in der Schweiz und weltweit. Und sie stellt die Frage, was das alles mit uns selbst und unserer Gesellschaft zu tun hat.


Aus Information wird Auseinandersetzung

Deshalb bleibt es nicht bei der Ausstellung. Veranstaltungen bringen Bevölkerung, Fachpersonen, Partnerorganisationen und langjährige Wegbegleitende zusammen. Schulklassen und Jugendgruppen vertiefen das Gesehene in Reflexionsworkshops und diskutieren persönliche, gesellschaftliche und politische Fragen. Im Jubiläumscafé können Besuchende sitzenbleiben, diskutieren, weiterdenken und eigene Ideen für eine Zukunft mit weniger Armut einbringen.


Für mich gehört all das zusammen. Auseinandersetzung braucht mehr als Information. Sie braucht auch Begegnung, Reflexion und Gespräch.


Ein Projekt, viele Beteiligte

Was Besucherinnen und Besucher ab September sehen, ist das Resultat der Zusammenarbeit vieler Beteiligter. Die Ausstellung entstand gemeinsam mit der Agentur Gäggeligäl. Innerhalb von Caritas Schweiz brauchte es Fachwissen aus der Arbeit im In- und Ausland und aus der Politik. Dazu kamen Kommunikation, Gestaltung, Eventorganisation, Druckerei, Hausdienst, youngCaritas, Direktion und viele weitere Mitwirkende.


Meine Aufgabe als Projektleitung war es, die Fäden zusammenzuhalten. Einen inhaltlichen roten Faden sicherzustellen, Bedürfnisse und Ideen zusammenzuführen, Entscheidungen herbeizuführen sowie Finanzierung und Kommunikation voranzutreiben. Auf dem Papier klingt das ziemlich ordentlich. In der Realität war es das nicht immer.


Planen, obwohl noch nicht alles klar ist

Sechs Monate sind für ein Projekt dieser Grösse wenig Zeit. Inhalte veränderten sich, räumliche Gegebenheiten setzten Grenzen, Abhängigkeiten wurden erst im Tun sichtbar und nicht jede gute Idee war mit den vorhandenen Ressourcen umsetzbar. Manchmal musste entschieden werden, obwohl noch Fragen offen waren.


Wir planten deshalb rollend. Was als Nächstes anstand, wurde detailliert bearbeitet, was weiter weg lag, zunächst gröber geplant. So konnten wir auf Veränderungen reagieren und gleichzeitig vorwärtskommen. Rückblickend haben mir dabei vor allem drei Dinge geholfen:


  • Den roten Faden behalten. Nicht jede gute Idee zahlt gleich stark auf das eigentliche Ziel ein.

  • Zuständigkeiten und Entscheidungswege klären. Gerade bei vielen Beteiligten muss klar sein, wer wo mitwirkt und wer entscheidet.

  • Pragmatisch bleiben. Nicht alles lässt sich berücksichtigen oder perfektionieren. Manchmal muss entschieden werden, obwohl noch Fragen offen sind.

 

Das funktioniert nur, wenn Menschen bereit sind mitzutragen. Genau das habe ich immer wieder erlebt. Mitarbeitende suchten Lösungen, brachten ihre Expertise ein und übernahmen zusätzliche Aufgaben. Auch deshalb steht nach weniger als sechs Monaten tatsächlich eine Ausstellung.


Jetzt gehört das Projekt den Besuchenden

Bald werden die letzten Wände montiert, Skulpturen aufgestellt, Veranstaltungen durchgeführt und Schulklassen durch die Ausstellung gehen. Im Jubiläumscafé entstehen hoffentlich viele angeregte Gespräche.


Damit verändert sich auch meine Rolle. Nach Monaten mit Zeitplänen, Finanzierung, Abstimmungsschlaufen, Texten, Konzepten und offenen Punkten gehört das Projekt plötzlich den Besuchenden. Genau dafür haben wir es gemacht.


Denn über Armut zu sprechen, lohnt sich. Armut sagt etwas darüber aus, wie wir als Gesellschaft Chancen verteilen. Wer Zugang zu Bildung, bezahlbarem Wohnraum, Gesundheit, existenzsichernder Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe hat und wer nicht. Wer sich damit auseinandersetzt, schaut vielleicht auch auf die eigene Lebensrealität etwas anders.


Also komm vorbei. Schau hin. Diskutiere mit. Und hinterlasse deine Idee für eine Zukunft mit weniger Armut. Die Jubiläumsausstellung «Ungleich verteilt – was Armut mit uns zu tun hat» ist vom 9. bis 30. September 2026 in Luzern geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.




 
 
 

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